Diese Faktoren verändern den Journalismus

Diese Faktoren verändern den Journalismus

Im April diesen Jahres stellte die britische Independent die Produktion ihrer gedruckten Ausgabe ein. Damit ist sie das jüngste Opfer des bereits über ein Jahrzehnt anhaltenden Abstiegs der Zeitungsbranche. Befanden sich 2005 die Umsätze der Tageszeitungen noch auf ihrem Höhepunkt, ging es seitdem alleine bei den Werbeeinnahmen um rund 38 Prozent bergab.

Auf beiden Seiten des Atlantiks kämpfen die Verlage mit der digitalen Transformation ihrer Geschäftsmodelle. In den USA sind bereits 40 Prozent der journalistischen Angebote auf die rein digitale Publikation umgeschwenkt.

Ob Journalist, PR-Praktiker oder Kommunikator – diese Entwicklung trifft alle, die sich in der Kommunikationslandschaft bewegen. In Zukunft wird Journalismus weniger zentral, sondern von einem weitreichenden Netz unabhängiger Freelancer gestaltet werden. Aber wie wird diese Welt im Detail aussehen?

Wann ist man ein Journalist?

Diese Faktoren verändern den JournalismusÜber die Branche hinweg sind die Grenzen des Journalismus immer fließender geworden, doch die Studie „Trends im Journalismus & Fazit für PR-Profis 2016“ fand heraus, dass Kommunikationsprofis weltweit eine grundsätzliche, weniger formalistische Vorstellung davon haben, was professionellen Journalismus heute auszeichnet.

So ist nach Ansicht der Befragten ein Journalist jemand, der…

  • mit Inhalten arbeitet
  • an Objektivität interessiert ist
  • eine Geschichte erzählen kann
  • und damit ein Publikum erreicht

Für ganze 58 Prozent der Befragten sind Blogger echte Journalisten. 54 Prozent sind sogar der Meinung, dass sich jeder, der Inhalte für Unternehmenspublikationen produziert, als Journalist betätigt. Die Mitgliedschaft in einem Journalistenverband scheint in den Augen der Befragten nicht so bedeutend zu sein. Dänemark ist hier die Ausnahme, wo zwei Drittel eine Verbandsmitgliedschaft als notwendig erachten.

Die Zukunft gehört den Freelancern

Eine überwältigende Mehrheit von 90 Prozent der Befragten erwartet, dass Medienunternehmen bei der Personalbeschaffung in Zukunft mehr auf Freelancer statt auf festangestellte Journalisten setzen werden. Unter dem Druck, Kosten einsparen und dabei noch mehr Content produzieren zu müssen, sehen sich viele Verlage gezwungen, an der Personalschraube zu drehen. Mit dem Ergebnis, dass 73 Prozent der befragten Journalisten erwarten, dass die journalistische Qualität in den nächsten 5 Jahren rapide nachlassen wird.

Es ist noch nicht ausgemacht, wie sich diese Entwicklung auf die Qualität journalistischer Inhalte auswirken wird, doch die Personalproblematik bleibt und wird sich weiter verschärfen. “Journalisten müssen sich mit dem Freelancer-Dasein auseinandersetzen, weil es bereits jetzt eine bedeutende Rolle im Mediengeschäft spielt“, sagt Deborah Blum, Geschäftsführerin des MIT’s Knight Science Journalism Program.

Der Journalist als Multifunktionalist

Der Trend der letzten Jahre zeigt: Die Entwicklung geht weg vom reinen Schreibhandwerk und hin zum journalistischen Alleskönner. Journalisten scheinen nur noch als „eierlegende Wollmilchsau“ bestehen zu können. So gaben 97 Prozent der Befragten an, dass Journalisten heute weit mehr Fähigkeiten als früher besitzen müssen, um sich im Medienmarkt behaupten zu können. Neben der Produktion von Inhalten gehört es für den Medienschaffenden heute dazu, sich und seine Inhalte auf Social Media Plattformen zu promoten. Darüber hinaus sollte nach Ansicht der Befragten der moderne Journalist, neben seinem Schreibtalent, ebenfalls die Fähigkeiten eines Fotografen, Datenanalysten, Videoproduzenten und Grafikers in sich vereinen.

Das Ein-Personen-Medium

In einer Welt, in der quasi jeder freie Publizist über eine bezahlte Newsroom-Plattform seine Inhalte verbreiten kann, sollte sich der einzelne Journalist nicht mehr auf die Strahlkraft der Medienmarke verlassen, für die er tätig ist. Er muss selbst zur Marke werden. Mithilfe der vielen neuen Kanäle und freien Publikationsplattformen ist es ihm heute möglich, sein eigenes Netzwerk aus Fans und Followern aufzubauen, die seine Arbeit lesen und schätzen.

Insgesamt entwickelt sich der Journalismus weg von der Herrschaft der Medienkonzerne, hin zum Kult um einzelne Personen. „Wenn sie es richtig anstellen, können Journalisten zu ihrem eigenen Medium werden. Menschen wollen heute einer Person folgen, die sie kennen und der sie vertrauen können“, äußert sich einer der Befragten der Studie.

Mit Beiträgen von mehr als 2.000 befragten Journalisten aus Deutschland, Großbritannien, Schweden, Norwegen, Dänemark, den USA, Australien, Kanada und Singapur bietet das neue eBook einen tiefen Einblick in Welt des Journalismus und dessen Zukunftsaussichten, die die Arbeit von Kommunikatoren rund um den Globus betreffen.

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